Der Jakob Muth-Preis
Gemeinsames Lernen aller Kinder und Jugendlichen im Regelschulsystem ist eine der größten Herausforderungen in der Weiterentwicklung des Bildungssystems in Deutschland. Während in vielen anderen Ländern der Welt Kinder mit und ohne Förderbedarf gemeinsame Schulen besuchen, wurde und wird es in Deutschland noch immer als „normal“ angesehen, Kinder voneinander zu trennen, wenn sie sich in ihren Lebens- und Lernbedürfnissen unterscheiden. So lernten im Schuljahr 2010/2011 über drei Viertel der Förderschüler separat in Förder- und Sonderschulen. Doch das deutsche Schulsystem ist dabei sich im Blick auf die Förderpraxis grundlegend zu verändern. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention haben sich alle 16 Bundesländer zur Inklusion und zum gemeinsamen Lernen verpflichtet.
Unter dem Motto „Gemeinsamen lernen – mit und ohne Behinderung“ zeichnet der Jakob Muth-Preis für inklusive Schule seit 2009 genau solche Schulen aus, die allen Kindern zugänglich sind und die jedes Kind so gut wie möglich fördern.
Mit dem bundesweiten Preis soll die Praxis von Schulen bekannter gemacht werden, die allen Kindern und Jugendlichen – mit und ohne Förderbedarf – eine bessere Teilhabe ermöglichen.
Es werden jeweils drei gleichwertige Preise in Höhe von
3.000 € an drei Schulen vergeben.
5.000 € gibt es für einen Schulverbund.
Kriterien
Wie lässt sich erfassen, was eine gute inklusive Schule ausmacht? Als Antwort auf diese Frage haben wir mit Hilfe von Schul- und Inklusionsexperten zentrale Qualitätskriterien erarbeitet: sie beziehen sich auf Handlungsfelder, in denen sich die Qualität einer Schule zeigt. Sie soll der Jury ein vergleichbares Bild von den Bewerbern um den Jakob Muth-Preis ermöglichen. Mit der Zusammenstellung der Kriterien wollen wir aber auch den vielfältigen Anstrengungen und Lösungsansätzen auf dem Weg zu einer inklusiven Schule gerecht werden.
Die Preisträger werden in jedem Jahr auf Basis dieser fünf zentralen Kriterien ausgewählt:
- Inklusion und Leistung: Welche Leistungen erbringen die Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen Feldern (kognitiv, sozial, künstlerisch, sportlich etc.)?
- Qualitätsmanagement mit inklusivem Leitbild: Wie gut entwickelt sich die Schule weiter (z.B. Steuerung, Fortbildung, Evaluation)?
- Inklusive Lehr- und Lernkultur: Wie gut fördert der Unterricht das selbstständige und kooperative Lernen der Kinder und wie gut arbeiten Pädagogen in Teams zusammen?
- Inklusion durch Mitwirkung: Wie werden die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern in die Schulentwicklung einbezogen?
- Inklusion durch Zusammenarbeit: Wie gut kooperiert die Schule mit anderen Bildungseinrichtungen und wie vernetzt ist sie mit dem Umfeld?
