Regionales Integrationskonzept Bad Bevensen

Preisträger des Jakob Muth-Preises für inklusive Schule

Gemeinsames Lernen in der Grundschule Himbergen, einer der Schulen im Verbund des regionalen Integrationskonzeptes Bad Bevensen (Fotograf: Ulfert Engelkes)
Gemeinsames Lernen in der Grundschule Himbergen, einer der Schulen im Verbund des regionalen Integrationskonzeptes Bad Bevensen (Fotograf: Ulfert Engelkes)

Regionales Integrationskonzept Altenmedingen - Bad Bevensen - Bienenbüttel - Himbergen im Landkreis Uelzen in Niedersachsen

Das seit neun Jahren bestehende Regionale Integrationskonzept ist das Ergebnis einer engen Kooperation der Dohrmann-Schule, der Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen in Bad Bevensen, mit den Grundschulen im Einzugsbereich und einer weiterführenden Schule. Beteiligt sind an dem Schulverbund mit der Dohrmann-Schule die Grundschule Altenmedingen, die Waldschule Bad Bevensen, die Grundschule Bienenbüttel, die Grundschule Himbergen sowie die Fritz-Reuter-Schule, die kooperative Gesamtschule in Bad Bevensen. Schwierigen rechtlichen und räumlichen Rahmenbedingungen zum Trotz ist das Integrationskonzept ein voller Erfolg. Alle Grundschüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf lernen mittlerweile gemeinsam mit ihren Altersgenossen vor Ort und werden nicht mehr separat beschult. Auch in der Sekundarstufe geht der Weg in Richtung Inklusion. Im Hauptschulzweig der ortsansässigen Gesamtschule sind Integrationsklassen eingerichtet worden, die Kinder mit verschiedenen Förderschwerpunkten aufnehmen. Zum Ende des Schuljahres 2010/2011 haben die ersten beiden Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich „Lernen“ die neunte Klasse verlassen – und zwar erfolgreich: Beide haben den Hauptschulabschluss erworben.

Die Förderschullehrer der Dohrmann-Schule unterstützen ihre Kollegen an den am Konzept beteiligten Schulen im regulären Unterricht oder indem sie gezielt einzelne Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf begleiten. Sie beraten Lehrkräfte zum Umgang mit Integrationsklassen und arbeiten präventiv, um in Einzelfällen der Entstehung eines Förderbedarfs entgegen zu wirken. Mobile Dienste für Kinder mit besonderen Einschränkungen ergänzen das Konzept. So wird allen Kindern, ganz gleich mit welchen Förderbedarfen, der Besuch einer Regelschule ermöglicht. Seit der Einführung des Integrationskonzepts nehmen alle Schulen auch Kinder mit anderen Förderschwerpunkten als Lernen auf. Davor mussten diese Kinder an noch weiter entfernt liegende Förderschulen verwiesen werden.

„Meine Vision ist: Ich möchte gern Leiter einer Förderschule sein ohne Schüler. Damit würde ich gern in Pension gehen“, sagt Hubert Kallien von der Dohrmann-Schule. Im Grundschulbereich ist dieser Wandel schon vollzogen: Alle Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen eine der Grundschulen im Einzugsgebiet. Der ehemals 25 Kinder zählende Grundschulbereich der Förderschule ist vollständig aufgelöst worden. Auch im Sekundarbereich ist die Schülerzahl auf ein Fünftel der ursprünglichen Zahl sehr stark gesunken. Zum Teil spielt dabei sicher der demografische Wandel eine Rolle, der im Einzugsgebiet deutlich zu spüren ist. Im Vergleich zu 2001 sind die Schülerzahlen um über 20 Prozent zurückgegangen. Hinzu kommt jedoch, dass sich die Zahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf verringert hat. Möglicherweise trägt die präventive Arbeit in den Integrationsklassen auch dazu bei, dass ein Förderbedarf gar nicht erst entsteht. Und schließlich zahlt sich die Zusammenarbeit mit der ortsansässigen Gesamtschule aus: 18 Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen dort den Hauptschulzweig.

Lehrkräfte und Mitarbeiter bereiten sich mit Hilfe vielfältiger Fortbildungen immer besser auf die Herausforderungen der Integration vor. Diese Fortbildungen werden von Grund- und Förderschullehrern gemeinsam besucht. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit im Verbund bereichert die Arbeit aller Schulen. Jede Schule setzt sich jährlich aufs Neue für die präventive Arbeit und den Gemeinsamen Unterricht ein. Damit sichern sie langfristig das Fortbestehen des Konzepts: Für jedes Grundschulkind, ob mit oder ohne sonderpädagogischem Förderbedarf, soll es als ganz normal angesehen werden, vor Ort gemeinsam mit anderen an einer Regelschule zu lernen.

 

Kontakt

Schulleiter Förderschule Dohrmann-Schule Hubert Kallien
Dohrmann-Schule
Lönsweg 12
29549 Bad Bevensen

www.dohrmann-schule.de