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Jobcoaching-Projekte für Menschen mit Handicap

Projektziel

Das Ziel unseres Projektes ist es, den Arbeitsmarkt für Menschen mit Handicap leichter zugänglich zu machen. Bewerbungsverfahren stellen für Menschen mit Beeinträchtigungen, insbesondere geistigen Beeinträchtigungen, oft eine sehr hohe Hürde dar. Viele von ihnen sind nicht in der Lage, Unterlagen zu erstellen oder sind unerfahren in Gesprächen mit Arbeitgebern. Ferner ist die berufliche Orientierung mit Hilfe von Testverfahren nicht immer einfach zu realisieren

Deshalb sind wir eine Kooperation mit der Lebenshilfe Braunschweig eingegangen, um direkt mit unseren Zielpersonen in Kontakt zu treten

Das Angebot wurde eingerichtet, um Abhilfe zu schaffen und Menschen mit Beeinträchtigungen mehr Kompetenz in Bewerbungsverfahren zu geben. Es dient auch dazu, Menschen mit Beeinträchtigungen zu bestärken, sich der Kontaktaufnahme mit Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts zu stellen und dadurch den Anteil an Personen mit Handicap, die in Betrieben tätig sind, zu erhöhen. Bislang lagen Bewerbungsmaterialien nur in unzureichendem Maße vor

Zum Einen ergeben sich aus der Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zahlreiche positive Effekte für Inklusion. Hinzu kommt, dass bei Absprachen mit Fachleuten auch Menschen mit Beeinträchtigung zugegen waren, was weitere positive Effekte bewirkte. So ergaben sich beispielsweise aus Gesprächen mit Unternehmensvertretern Kontakte in Betriebe, die für weitere Projekt genutzt werden sollen.

Des Weiteren sollen die erstellten Materialien dazu dienen, dass sich Menschen mit Beeinträchtigung stärker mit der Arbeit in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts auseinandersetzen. Die Hoffnung besteht darin, dass Inklusion im Bereich Arbeit und Ausbildung gefördert wird.

Die Anwendung von Leichter Sprache in den Materialien erschließt für den Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zudem mehr Möglichkeiten, weil dadurch inklusive Aspekte indirekt wirksam werden. Hierbei ist zu betonen, dass Betriebe in der Regel eine Bewerbung und ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch als Bedingung für den Einstieg ins Unternehmen voraussetzen. Doch bevor Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen ihr Fachwissen in einem Bewerbungsgespräch zeigen können, scheitern sie an dem Verfassen eines Bewerbungsschreibens. Auch ein Vorstellungsgespräch adäquat zu gestalten, fällt ihnen schwer, was ein Beispiel für die Macht von Sprache darstellt.

Der inklusive Aspekt stand bei der Partnerschaft zwischen Einrichtungen der Behindertenhilfe und unserem Gymnasium im Vordergrund. Auch zukünftig ist angedacht, Projekte mit der Lebenshilfe zu entwickeln und umzusetzen, die dann auf unserer Homepage und in Info-Veranstaltungen kommuniziert werden. Aspekte der Inklusion waren bislang für unsere Schule weniger bedeutsam. Das gemeinsame Projekt bot daher eine einmalige Gelegenheit, sich intensiver mit den Forderungen von Inklusion auseinanderzusetzen und dadurch im Gymnasium ein Bewusstsein dafür zu schaffen.

Aufgaben für Jugendliche

 

  • Die Seminarfachteilnehmer über die Entstehung der Lebenshilfe und über das Thema 'Inklusion' (u. a. UN-Behindertenkonvention) zu informieren.
  • Informationen über den Umgang mit Behinderten in der Vergangenheit, z. B.im Nationalsozialismus (Bsp. Euthanasie)
  • Einen Film (https://youtu.be/3plnQDlyCNE) zu drehen, um den Ablauf eines Bewerbungsgespräches verständlich darzustellen.
  • Eine Broschüre in Leichter Sprache für die richtige Kleidung bei einem Bewerbungsgespräch zu verfassen.
  • Im Internet einen Bewerbungsgenerator (http://panpage.w4f.eu/index.html) zu entwickeln, durch den der Bewerbungsprozess mit Hilfestellung für Lebenslauf,  Motivationsschreiben und Berufstest  vereinfacht wird
  • Einer Prüfgruppe der Lebenshilfe die Materialien nach deren Fertigstellung zur Verfügung zu stellen, damit diese sie auf Verständlichkeit und Richtigkeit überprüft, um sicherzustellen, dass sie für den allgemeinen Gebrauch verwendbar sind.

Projektentwicklung

In den letzten Jahren ist 'Inklusion' zunehmend auch für Gymnasien ein Thema geworden. Konkret erlebten einige Schülerinnen und Schüler dieses Seminarfachs sowie auch die leitende Lehrerin Inklusion einige Jahre im Klassenunterricht zusammen mit Mitschülern, die eine körperliche (Sehbehinderung) und psychische (Asperger-Autisten, Teilleistungsstörungen) Behinderung aufweisen.

Diese Erfahrungen, das Interesse seitens der Lebenshilfe und das Bedürfnis, tiefgreifender zu dieser Problematik zu arbeiten, hat dazu geführt, das o. g. Seminarfach ins Leben zu rufen.

Zu Beginn wurden die Themen festgelegt, mit denen sich die Beteiligten beschäftigen wollten. Dabei wurde schnell klar, dass verschiedene Aspekte (u. a. geschichtliche) zu behandeln waren, um das Thema umfassend für die Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu erschließen.

Der Projektmethode entsprechend wurden anschließend erste Informationen zu den einzelnen Aspekten, z. B.  von der Kontaktaufnahme zu Betrieben und vom Arbeiten im Betrieb, gesammelt. Hierzu wurden Experten befragt, bevor die Teilnehmer ihre Themen abschließend festlegten, um diese vertieft bearbeiten zu können.

Anschließend wurden Interviews geführt, z. B. mit Menschen mit psychischen Erkrankungen, die bereits Erfahrungen mit Vorstellungsgesprächen etc. hatten. Diese Erkenntnisse flossen in die Ausarbeitungen ein. Ferner wurden Erfahrungen bezüglich des Einsatzes von Menschen mit Beeinträchtigung in Betrieben eingeholt. Zur Anfertigung der Fotos zum Outfit und des Films stand teilweise ein professioneller Fotograf mit Rat und Tat zur Seite. Personalchefs von Unternehmen, z. B. von Netzlink Informationstechnik GmbH in Braunschweig, wurden ebenfalls befragt.

In die skizzierte Arbeit wurden Menschen mit und ohne Beeinträchtigung einbezogen. Der wesentliche Teil wurde von den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums geleistet. Hierzu trafen wir uns einmal wöchentlich. Dabei waren je nach Thema weitere Personen beteiligt. Alle Ergebnisse wurden mit den Menschen mit Beeinträchtigung abgestimmt. Die Erstellung der Materialien erfolgte in enger Kooperation mit der Lebenshilfe Braunschweig, dem Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe (bestehend aus zwei Mitarbeiterinnen ohne und drei Mitarbeitern mit Beeinträchtigung), dem Berufsbildungsbereich und der LaVie gGmbH.

Broschüren und Film (https://youtu.be/3plnQDlyCNE) stehen einem breiten Publikum zur Verfügung. Der Vertrieb soll durch die Lebenshilfe erfolgen, so dass eine lange Verwendung möglich ist. Die Unterlagen wurden auf einem aktuellen Stand erstellt, weshalb sie voraussichtlich lange Gültigkeit behalten werden. In Folgeprojekten ist die Überarbeitung denkbar.

Die Materialien sollen ferner im Unterricht zum Einsatz kommen, was weitere positive Aspekte für Nachhaltigkeit haben kann. Sie sollen ferner Standard bei Beratungen werden bzw. öffentlich ausliegen. Selbstverständlich sind auch digitale Versionen geplant

Es ist geplant, das Material in 2019 nochmals einer Revision zu unterziehen. Ferner sollen Weiterentwicklungen vorgenommen werden, z. B. beim Test. Dieser wird, was die Ergebnisse betrifft, mit kleinen Filmen versehen. So können sich Teilnehmer sogleich ein Bild von dem aufgrund der Testresultate genannten Beruf oder Berufsfeld machen.

Das Material an sich soll auch Fachkräften Anlass bieten, das Thema 'Kontaktaufnahme zu Betrieben' zu beleben.

Schließlich werden die Materialien Eingang in Schulungsprojekte der Lebenshilfe finden, wodurch weiterer nachhaltiger Charakter garantiert ist.