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Gütersloh, 21.01.2013

Der Jakob Muth-Preis 2012/13 geht nach Bonn, Jena und Kassel

Fotograf: Oliver Zitza

Fotograf: Oliver Zitza

70 Schulen aus ganz Deutschland haben sich beworben: Die Ketteler-Grundschule in Bonn, die Grundschule an der Trießnitz in Jena und die Offene Schule in Kassel, eine Gesamtschule, haben die Jury mit ihren ganzheitlichen Konzep­ten und Bildungserfolgen besonders überzeugt.

Alle drei Preisträger sind Ganztagsschulen, in denen feste Teams aus Fach- und Förderlehrern, Sozialpädagogen und Erziehern die jeweilige Lerngruppe über die gesamte Schul­zeit betreuen. Die Schulen setzen im Unterricht auf verschiedene Lernformen, -methoden und -ziele, um jedes Kind optimal in seiner Entwicklung zu begleiten.

Alle drei Preisträgerschulen begreifen sich als Lern- und Lebensraum, der viele über den Unter­richt hinausgehende Angebote macht – vom gemeinsamen Mittagessen über ein Blasorchester bis zur Zirkus-AG. Die Schulen kooperieren mit Logopäden, Ergotherapeuten und Sportvereinen und schaffen insgesamt ein Klima, in dem jedes Kind als eigene Persönlichkeit wertgeschätzt wird. In der Kettelerschule in Bonn trägt zur guten Atmosphäre auch ein ausgebildeter Schulhund bei. Der Erfolg ist messbar: Seit 2006, als die Schule den Weg zur inklusiven Schule einschlug und auf jahrgangsübergreifenden Unterricht umstellte, hat sich der Anteil der Schüler verdoppelt, die an­schließend aufs Gymnasium gehen. Der Anteil der Schüler, die auf eine Realschule wechseln, ist mittlerweile sogar fast drei Mal so hoch.

Während die Bonner Kettelerschule seit sieben und die Jenaer Grundschule seit elf Jahren die Entwicklung zur inklusiven Schule intensiv voranzutreiben, blickt die Kasseler Gesamtschule be­reits auf 20 Jahre gemeinsames Lernen zurück – mit Erfolg: Drei Viertel der Schüler schaffen mittlerweile nach der 10.Klasse den Übergang zur gymnasialen Oberstufe, zum beruflichen Gymnasium oder zur Fachoberschule, fast kein Schüler verlässt die Schule ohne Abschluss. Die Schule an der Trießnitz kann ebenfalls die Früchte ihrer erfolgreichen Arbeit ernten: so ebnet sie beispielsweise auch Förderschülern den Weg auf´s Gymnasium.

„Der Weg zur Inklusion braucht engagierte Kolle­gien, gut ausgebildete Lehr- und Fachkräfte, schlüssige Konzepte und auch Zeit“, sagte Jörg Drä­ger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Er richtete den Appell an die Politik, Schulen die notwendige Unterstützung und Entwicklungsräume zu gewähren, um den Weg zum inklusiven Lernen ähnlich erfolgreich beschreiten zu können wie die Gewinner des Jakob Muth-Preises. Denn, so Dräger: „Inklusives Lernen braucht die Akzeptanz und das Vertrauen der Eltern – und das entsteht nur, wenn kein Schüler unter- oder überfordert ist. Bei der Inklusion ist Qualität wichti­ger als Geschwindigkeit.“ „Die Gewinner des Jakob Muth-Preises machen allen Schulen Mut, mehr Inklusion zu wagen“, sagte Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Ute Erdsiek-Rave, Vorsitzende des Expertenkreises „Inklusive Bildung“ der Deutschen UNESCO-Kommission, betonte, dass die erfolgreiche Arbeit in vielen Schulen vor Ort einen unentbehrlichen Beitrag zur Umsetzung inklusiver Bildung in Deutschland leistet. „Denn es gibt noch viel zu tun, bis wir die Verpflichtungen der UN-Behindertenrechtskonvention erfüllen,“ so Erdsiek-Rave. Christian Rauschenfels, Vorstandsvorsitzender der Sinn-Stiftung, zeigte sich zufrieden, dass „immer mehr LebensLernOrte eine Kultur gelebter Inklusion erfahrbar machen – so wie es unsere Preisträger­schulen täglich leisten.

Rückfragen an:

Dr. Ina Döttinger, Bertelsmann Stiftung

Telefon: 0 52 41 / 81-81 197

E-Mail schreiben an Frau Döttinger

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